Skitouren in der Venedigergruppe

Westalpendurchquerung in den Ostalpen

oder:

Pläne sind was für Anfänger

Sechs unentwegte Skitourengänger machten sich auf, eine Durchquerung in den Westalpen zu unternehmen. Es wurden in Besprechungen sowie vielen Telefonaten und E-Mails fleißig Pläne geschmiedet. Haute Route, Tour de Ciel, Tour de Soleil oder Berner Oberland waren deren klangvolle Namen. Manches wurde für gut befunden, manches nicht so sehr. Und schließlich wurden mal wieder alle über den Haufen geworfen vom ach so schnöden Wetterbericht.

So fanden wir uns unverhofft plötzlich in den Ostalpen beim Aufstieg zur Postalm in der Venedigergruppe wieder. Mangels Schnee - der hatte sich trotz seiner in diesem Winter großen Menge in den tiefen Lagen doch schon in Wasser verwandelt - mussten wir die Skier dann knappe drei Stunden zu Fuß hoch tragen. Nach der Ankunft im Mondschein erwartete uns zur Entschädigung ein hervorragendes Abendmahl.

Zur Akklimatisierung an die enorme Höhe von 1700m brachen wir in aller Herrgottsfrühe zu einer Tagestour auf die Schlieferspitze auf. Das Wetter war hervorragend und nach nicht einmal einer halben Stunde konnten die Skier schon vom Rücken an die Füße wandern. Einem perfekten Skitourentag stand nun nichts mehr im Wege. Nach 1600 Höhenmetern wurden wir am Gipfel mit großartigen Aussichten auf den Großvenediger und seine Nachbarn, mit einer rassigen Firnabfahrt und einem Nachmittag im Liegestuhl belohnt.

Um auch dem Namen „Durchquerung“ einen Sinn zu geben, wurde am Abend ein Hüttenwechsel beschlossen. So brachen wir am folgenden Morgen auch nicht später als am Vortag zur Überschreitung des Hauptkammes auf. Wir überquerten Lawinenkegel, reißende Stromschnellen und einen Gletschersee, ehe wir auf einer Steilstufe auf das Obersulzbachkees und auf diesem hinauf zum Maurertörl gelangten. Das waren zwar nur 1400 Höhenmeter, diesmal aber mit vollem Gepäck.

Vier der tapferen Recken war das genug und sie fuhren direkt zur Essener und Rostocker Hütte hinab, wobei auch der nun einsetzende leichte Regen der Stimmung keinen Abbruch tat. Zwei Unentwegte hatten aber noch nicht genug und setzten dem Tag mit dem Gipfelsturm auf den Großen Geiger die Krone auf, auch wenn die Sicht sich nur auf das Gipfelkreuz beschränkte.

Die Pläne für die nächsten Tage waren bereits geschmiedet: Simonyspitzen, Dreiherrnspitze, ein Wechsel zur Johannishütte oder auch die direkte Rückkehr zur Postalm waren im Gespräch. Da machte der Wettergott diese erneut zur Makulatur. Nach ausgiebigem Regen in der Nacht und am Morgen blieb nach Abwägung aller Risiken und Wetteraussichten nur der Weg nach unten. So fanden wir uns nach über zwei Stunden Abfahrt und Abstieg bei plötzlich wieder bestem Wetter im Tal wieder und beruhigten uns damit, dass der Schnee bei diesen Bedingungen eh zu weich für eine gefahrlose Skitour gewesen wäre.