Radtour Altdorf - Wiesen bei Sterzing

Mit dem Rad von Altdorf in die Partnergemeinde Pfitsch bei Sterzing in Südtirol

Elf Teilnehmer der Radfahrgruppe 60+ des Alpenvereins Altdorf haben eine Jubiläumstour in die Partnergemeinde Pfitsch bei Sterzing unternommen. Die Tour führte von Altdorf über Kelheim, Freising, München, Bad Tölz, Achenkirch, Hall i.Tirol über den Brenner nach Pfitsch.  Nach 6 Tagen und rund 436 km war den Radlern ein Ruhetag vergönnt, der dann aber für eine kleine Bergtour hergenommen wurde. Die Heimfahrt erfolgte mit der Bahn. 

Die Idee zu dieser Tour wurde geboren, als Uli Reichert, Vorsitzender der DAV Sektion Altdorf, in der März-Ausgabe 2016 der Alpenvereinszeitschrift „Panorama“ von einem Artikel über eine 2015 eröffnete Radroute vom Marienplatz in München zum Markusplatz in Venedig las. Die Tour wird für Genuss-Radfahrer angeboten und so lag es nahe, die den Radfahrern 60+ des Alpenvereins vorzuschlagen. Man könnte die Tour ja auch von Altdorf starten und „nur“ bis in die Partnergemeinde Pfitsch fahren, das wäre doch ein Highlight zum 50-jährigen Jubiläum des Alpenvereins. Nach anfänglichem Zögern der Radgruppe reifte aus dem Vorschlag ein Plan. Man könnte ja ein Begleitfahrzeug für das Gepäck mitnehmen und auf den Brenner von Innsbruck aus mit der Bahn fahren. Damit würde die Tour doch etwas entschärft. Im Herbst 2016 hat Ivan Tabor dann mit der Planung der Tour begonnen. Es galt die Streckenabschnitte festzulegen und Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. Nach ausführlichem Studium von Radkarten und -führern und unter Einbeziehung von Navigationssoftware stand Anfang des Jahres 2017 der Tourenplan.
In 6 Tagen und insgesamt 400 km will man in Südtirol sein und nach einem Ruhetag mit der Bahn die Heimreise antreten. Im März 2017 begann die Gruppe eifrig Trainingskilometer zu strampeln und das Sitzfleisch abzuhärten.

Dann war es endlich so weit, in der Woche nach Pfingsten starteten 10 Radler im Alter zwischen 58 und 78 Jahren, darunter 5 mit einem Pedelec, bei Sonnenschein in Richtung Süden. Ein Radler durfte/musste den Begleitbus fahren. Es war so vereinbart, dass jeder den Bus einen halben Tag fährt. Die erste Etappe führte über Neumarkt am alten Kanal entlang nach Berching und dann weiter am neuen Kanal nach Beilngries. In einem schattigen Biergarten wurde die Mittagspause eingelegt. Es ging weiter am Altmühltal-Radweg über Dietfurt, Riedenburg, vorbei am Schloss Prunn nach Essing, dem ersten Tagesziel. Den Radlern und ihren Rädern war anzusehen, dass die ersten 90 km doch recht staubig waren. Im Gasthof Ehrl konnte man die verbrauchten Kalorien ersetzen und eine ruhige Nacht verbringen.

Der 2. Tourentag führte über Kelheim nach Abensberg, wo man bei der Kuchelbauer-Brauerei einen kurzen Stopp einlegte. Auf einen Frühschoppen zu verzichten fiel natürlich schwer, aber es waren doch noch viele Kilometer zu fahren. Es ging weiter auf dem Abens-Weg durch die Hallertau nach Mainburg zur Mittagspause. Bei über 30° C ging es dann nachmittags durch hügelige Landschaft weiter hinunter ins Isartal nach Marzling bei Freising. Nach 80 km war das zweiten Tagesziel erreicht. Im Biergarten des Landgasthofes Nagerl lies man den Tourentag gemütlich ausklingen.

Ein nächtliches Gewitter hat am 3. Tag für etwas Abkühlung gesorgt. Durch die Isarauen und vorbei am Freisinger Dom führte die 3. Etappe nach München. Durch den Englischen Garten, vorbei am Deutschen Museum ging es zur Mittagseinkehr in einen Biergarten an der Isar. Für ein Bad bzw. Fußbad hatte keiner so recht Lust, die innerliche Abkühlung war wichtiger. Nachmittags wären die Radler in Grünwald fast im Gewitterregen gestanden, wenn sie nicht noch Unterschlupf in einem Wertstoffhof gefunden hätten. Ob da einer mit dem Gedanken gespielt hat sein Fahrrad zu entsorgen und mit dem Begleitbus weiter zu fahren? Nein, es ging weiter über Straßlach am Isarkanal entlang nach Wolfratshausen. Diesmal standen 77 km zu Buche. Im Gasthof Humplbräu in der Stadtmitte waren die Radler gut untergebracht. Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz.

Der Himmel war bedeckt, als die Radler die 4. Etappe in Angriff nahmen. Nach Geretsried entfernte sich der Radweg von der Isar und es ging ins Alpenvorland mit einigen Anstiegen und Abfahrten. Bad Tölz mit seiner historischen Marktstraße bot sich für den ersten Zwischenstopp an. Der Blick auf die Berge wurde nun frei und der Weg führte wieder an der Isar entlang nach Lenggries, Ort für die verdiente Mittagspause. Am Nachmittag wartete die erste „Bergetappe“, es ging hoch zum Sylvensteinsee. Dort entschied man dann einige Kilometer auf der Bundesstraße zu fahren und nicht auf dem längeren und sehr steilen Schotterradweg. Bald erreichte man die Landesgrenze. Im Achental  ging es dann weiter bis Achenkirch, dem Tagesziel. Wieder waren 70 km geschafft. Auf diesem Streckenabschnitt war es Uli vorbehalten die einzige Panne, einen Platten, zu haben. Die Unterkunft, das Hotel Beretta, wird allen in Erinnerung bleiben mit „Pizza all you can eat“.

Am nächsten Morgen Regen und tief hängenden Wolken, keiner wollte so recht hinaus in die Nässe. Doch Abwarten half nichts, nach einer Stunde Wartezeit startete man zur Schiffsanlegestelle am Achensee.
„Wenn den Radler stört der Regen, kommt eine Schifffahrt ganz gelegen“. So fuhr ein Teil der Gruppe mit dem Schiff zur Südspitze, der andere mit dem Rad am Seeufer entlang. Der Regen hat dann tatsächlich nachgelassen, als man wieder vereint von Maurach die steile Abfahrt nach Jenbach im Inntal hinunter fuhr. Nun gab der Inntal-Radweg die Richtung vor. In  Stans machte man Mittagspause. Zwischenzeitlich hat der Himmel aufgelockert und auf der Weiterfahrt konnte man das Schloss Tratzberg bewundern. Vorbei an Schwaz und Wattens erreichte man Hall i. Tirol. Bevor das Hotel angefahren wurde, besuchte man die historische Altstadt zu einem Kaffee. Heute waren es nur 54 km, für die Schifffahrer nur 44 km. Nach dem Abendessen besprach man die Schlussetappe über den Brenner nach Wiesen. Acht von den elf Teilnehmern fühlten sich stark genug den Brenner mit dem Rad zu bezwingen.

Am nächsten Tag schien wieder die Sonne. Früher wie sonst starteten die Brenner-Radler, es galt 40 km bergauf zu fahren. Auf der alten Römerstraße von Hall nach Matrei, die mittelmäßig befahren ist, ging es zuerst hoch nach Aldrans, dann durch Igls, Patsch und im Auf und Ab weiter entlang des Wipptales nach Matrei. Es boten sich tolle Ausblicke auf die gegenüberliegende Brennerautobahn mit Europabrücke und Stubaital. Ab Steinach mussten die Radler dann die letzten 12 km auf die verkehrsreiche Brennerbundesstraße fahren. Während der ganzen Strecke wurde die Gruppe vom  Begleitfahrzeug mit den restlichen 3 Teilnehmern eskortiert. Am Brenner angekommen war man natürlich glücklich und stolz die Königsetappe geschafft zu haben. Großer Respekt gebührt dabei der Leistung der beiden 70-jährigen Günther und Josef, die die Passhöhe allein mit Muskelkraft bezwungen haben. Nach der verdienten Mittagseinkehr war es ein Genuss dem Eissacktal-Radweg auf der alten Eisenbahntrasse nach Gossensass zu folgen. Nun war es nicht mehr weit nach Sterzing, wo man bei einem Eiskaffee ausspannte. Am späten Nachmittag und nach 65 km erreichte man dann Wiesen, das Ziel der Radtour. Im Rieplhof wurden die Radler herzlich empfangen. Mit Bier und Sekt wurde die Brennerüberquerung gefeiert. Der ereignisreiche Tag klang mit einem Abendessen mit Freunden aus Wiesen aus.

Der 7. Tag war eigentlich als Ruhetag gedacht. Doch was soll man ruhen, wenn man mit einer Wiesener Bergführerin auch eine Wanderung unternehmen kann. Und wer geglaubt hat, der Brenner wäre der höchste Punkt der Tour gewesen, wurde dabei eines besseren belehrt. Zuerst mit der Seilbahn, dann zu Fuß ging es hinauf auf den 2189 m hohen Rosskopf. Unten auf der Vallmingalm gab es dann Graukäse und Rotwein und auf der Sternhütte Kaffee und Kuchen. Und da soll noch einer was sagen über die Genuss-Radfahrer. Abends im Rieplhof kam dann hoher Besuch, der 1. Bürgermeister Stefan Gufler von der Gemeinde Pfitsch, seine Gemeindereferentin und die Freunde vom Alpenverein Südtirol. Es wurden die Grüße vom 1. Bürgermeister Erich Odörfer aus Altdorf überbracht und Gastgeschenke übergeben. Bei einem Südtiroler Vesper, Wein und Bier sowie einer angeregten Unterhaltung saß man bis in die Nacht zusammen.

Am letzten Tag der Tour weinte der Himmel Tränen, als die Altdorfer Radler Abschied von Wiesen nahmen. Mit der Bahn ging es von Sterzing zum Brenner. Der Begleitbus stand in Bereitschaft evtl. nicht im Zug mitgenommene Räder zum Brenner zu bringen. Über Innsbruck, Kufstein, München, Regensburg fuhr man nach Neumarkt. Dort ließen es sich die Radfahrer 60+ dann nicht nehmen die letzten Kilometer nach Altdorf noch mal auf´s Rad zu steigen. Der Begleitbus mit den restlichen drei Insassen kam ebenfalls gut zu Hause an.

Die Tour mit insgesamt 436 km, dabei 5204 m Anstiege und 4700 m Abfahrten, wird allen Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben. Wenn auch manchmal anstrengend, war sie geprägt von kameradschaftlichem Miteinander, gegenseitiger Rücksichtnahme und vielen tollen Eindrücken.

Uli Reichert