Sportklettergruppe

Sportkletter Rückblick

Klettern-Südpfalz

Klettern im Buntsandstein

Am 25.05.2017 traten zwei DAV Mitglieder der Sektion Altdorf – ein Newcomer und ein Routinier – unter der Leitung von Reinhard und Barbara Born die Reise in die Süd-West Pfalz nahe der französischen Grenze an. Untergebracht in einer Ferienwohnung in Erlenbach bei Dahn, ein kleiner Ort mit wunderschönen Blick auf die Burg Berwartstein, wurden wir über die Besonderheiten des Kletterns im Buntsandstein unterrichtet. Die zum Klettern geeigneten Felsen bestehen aus einer Art Sandstein, der geologisch gesehen zu der lithostratigrafischen Gruppe des Buntsandsteins gehört und zu einer der ältesten Gesteinsform, entstanden zu Beginn der Trias vor 251–243 Millionen Jahren, zählt.

Das Klettergebiet in der Südpfalz weist etwa 80 freistehende Buntsandsteintürme und mehr als 140 sogenannte Massive auf. Die bis über 60 Meter hohen, teilweise mächtigen Wände und Türme in einer reizvollen Landschaft und die mittlerweile hundertjährige Klettertradition machen die Südpfalz zu einem der bedeutendsten Klettergebiete Deutschlands. Die Vielzahl unterschiedlicher Felsstrukturen ermöglicht ein breites Spektrum unterschiedlicher und abwechslungsreicher Kletterei (Risse, Kamine, Wabenwände, Reibungsplatten, Kieseleinlagerungen).

Die Schwierigkeiten der Kletterrouten reichen vom I. bis zum XI. Grad der UIAA-Skala.

Die Kletterrouten sind sehr anspruchsvoll und der Vorsteiger muss nicht nur mit dem manchmal bröseligen Sandstein umgehen können, sondern auch die Fähigkeit besitzen, Zwischensicherungen, wie z. B. Keile und Friends, zielgenau zu legen, da die Kletterrouten häufig gar nicht oder nur mit wenigen Haken ausgestattet sind. Die Struktur des Sandsteines ist anders als beim Kalk griffarm und rund, es muss deshalb größtenteils auf Reibung geklettert werden. Wer also, wie in der Frankenjura, nach dem großen Henkel sucht, wird im Buntsandstein oft nicht fündig. Für die Anfänger sei gesagt, dass durch Höhe der Felsen meistens die in der Frankenjura benötigte Seillänge nicht ausreicht und somit mehrere Seillängen erforderlich sind. Kenntnisse des Mehrseilkletterns mit Standplatz bauen usw. sind auf jeden Fall erforderlich.

Reinhard suchte als ersten Felsen den Engelmannsfels heraus, da es dort eine Kletterroute (Normalweg, Schwierigkeit 1) gibt, die sich für Anfänger bestens eignet. Nach kurzem Zustieg tauchte, wie aus dem Nichts, ein atemberaubendes Felsenmassiv auf. Der Stein, in einem rötlichen Ton, aufgewärmt von der Sonne, lud direkt zum Klettern ein. Reinhard studierte die Kletterroute und Barbara erklärte mir, dem Newcomer, nochmals die wichtigsten Regeln und Begriffe des Mehrseillängenkletterns. Die Kletterroute führte zuerst über stufenförmige Steinblöcke, dann einen schmalen Grad entlang bis zu einer Felskante. Von dort aus erreicht man das Gipfelplateau, welches sich in ca. 27 Meter Höhe befindet. Dort angekommen machten wir eine Pause und genossen in der Sonne die schöne Aussicht.

Am nahegelegenen Felsen Höllenfelsen gibt es eine Kletterroute, die Urlaubsreibung heißt (Schwierigkeit: 5+). Sie führt vertikal an einem tiefen Riss entlang, dann folgt ein kleiner Quergang, der zu einem Felsblock führt. Oberhalb des Felsblockes erreicht man den Umlenker. Als Griffe hatte man oft nur kleine Kieselsteine in der Felswand. Einzig und alleine durch den rauen Standstein war es möglich, sich wenigstens gute Tritte zu suchen. Ein Paradebeispiel für das Reibungsklettern. Eine Absicherung in der Route war kaum vorhanden. Reinhard der Zwischensicherungsspeziallist war hier natürlich voll in seinem Element und verbaute fleißig einige Friends, die aufgrund seiner Legetechnik und durch den rauen Sandstein sehr gut hielten.

Am Felsen Hochstein gibt es eine sehr spektakuläre Kletterroute (Normalweg, Schwierigkeit 3), mein persönliches Highlight. Man überquert zuerst kleine Felsplatten und steigt durch einen kleinen engen Kamin. Um auf das Gipfelplateau zu gelangen muss man sich in fast 42 Meter Höhe zwischen zwei Felsen spreizen und sich langsam nach oben arbeiten, reine Nervensache. Das Abseilen in dieser Höhe ist natürlich auch etwas Besonderes. Zu empfehlen sind auch die Kletterrouten „Grauer Pfeiler“ (Schwierigkeit 6-), „Dornenriss“ (Schwierigkeit 5) und „Eichenriss“ (Schwierigkeit 6-).

Nach ein paar tollen Tagen war das verlängerte Kletterwochenende schnell zu Ende. Vielen Dank an Barbara und Reinhard, die uns in der kurzen Zeit, sehr viel beigebracht haben.

Tessin-Klettern

Tessin-Klettern/Ponte Brolla vom 1.4. - 8.4.2017

- Die Redaktion des DAV-Mitteilungsheftes fragt nach -

Red.:
Es gab es auch dieses Jahr einen Kletterauftakt in der Schweiz?

Reinhard:
Diese Traditionstour an den Platten des Ponte Brolla gehört bereits zum festen Programm der Sportklettergruppe. So war es auch dieses Jahr ein toller Kletterstart in die Outdoor-Saison, quasi ein reibungsloser Vorlauf (Verlauf?) auf Reibungsplatten.

Red.:
Wie darf man sich diesmal eine DAV-gemäße Unterbringung vorstellen?

Barbara:
Um es mit wenigen Worten zu sagen: durchaus ungewöhnlich und exklusiv, kurz und gut –ein Quartier in einer Kunstvilla in Ronco s/Ascona mit offenem Kamin, Terrassen und Panoramablick  über dem Lago Maggiore.

Red.:
Hat man da überhaupt Lust auf Kletteranstrengungen?

Matthias.:
Eigentlich nicht, aber das Wetter war einfach genial, der Fels staubtrocken und die Kameraden brandheiß auf Wandkontakt.

Also ging es täglich ab 10 Uhr voll zur Sache bis die Sohle abplatzte. Der WarmUp der ersten beiden Tage, um sich an die lokalen 5c-Schwierigkeiten zu gewöhnen, fand an den Placche di Tegna statt.

Red.:
Sind denn die Kurzrouten der schweizer Schweiz mit denen der fränkischen Schweiz vergleichbar?

Wolfgang:
Die Unterschiede sind beachtlich! Im Tessin sind die Hände fast überflüssig und werden lediglich zum Clippen der erfreulich eng gesetzten Bohrhaken benötigt. Der Rest ist Körpergefühl und reine Beinarbeit: Fuß setzen, treten, Druck. - Wie in der Formel 1, die Slicks entscheiden!

Rolf:
Als Dresdner würde ich auch wenig Ähnlichkeit zur sächsischen Schweiz erkennen – Kamine und Risse sind einfach nicht vorhanden.

Red.:
Also ein eher sprödes ödes Gelände?

Gerhard:
Im Gegenteil, Plaisirklettern vom Feinsten. Die exzellente Aussicherung der Routen lädt ein zur Optimierung der Fußtechnik, zum “Tango vertikale“. Und die Standplätze bieten Sonnenlage und atemberaubende Aussichten!

Red.:
Es war demnach eine vergnügliche, wenn auch sportliche Urlaubskletterei?

Reinhard (Coach):
Auf jeden Fall. - Wir hatten von vornherein ein klares Trainingskonzept mit stets steigenden Herausforderungen. Und das ging los mit dem täglichen Frühstückslauf über 200 Hm und 880 Stufen, beinhaltete dann das geplante Tageskletterpensum und lief aus mit After-Work-Refreshing, Abend-Briefing und spez. Regenerationsmodalitäten.

All das führte binnen 6 Tagen zu hervorragenden Fortschritten in Kraft, Technik und Selbstvertrauen.

Matthias:
Die 14 Seillängen am M. Speroni im 5er-Schwierigkeitsgrad waren so ein lockeres Kinderspiel. Die Teams, im Überschlag kletternd, harmonierten toll und flüssig. Kleinere Ungereimtheiten wurden mit Bravour binnen Stundenfrist entfädelt.

In Arcegno, dem Kletterbiotop der Einheimischen, einer Parklandschaft, tastete sich jeder von uns zwei Tage lang in Einseillängen an seine persönliche Limit-Line heran.

Red.:
Sportkonzept - bezog sich das auch auf die Ernährung?

Barbara:
Ein ausgewogener Speiseplan war selbstverständliche Basis: heimische Kost, isotonische Getränke, Schweizer Käse, italienische Nudeln, spanischer Wein sorgten für internationale Abwechslung, Wohlbefinden und Vitalität. Der Teamgeist war auch in der Küche beim Zubereiten stets spürbar.

Red.:
Seht ihr den Aufwand einer so weiten Anfahrt in ein kostspieliges Land als gerechtfertigt an?

Rolf:
Klar, die Autobahnpickerl fuchsen etwas! Aber die Fahrt verlief hin und retour rasch und flüssig. Und die Bildung von zwei Fahrgemeinschaften war effektiv. Die Zeitplanung in der Vorsaison war ideal: noch kein Ferientourismus, kein Wandstau und entspannte, freundliche Menschen vor Ort.

Wolfgang:
Im Resümee’ eine tolle Tour. Sehr empfehlenswert.  Und speziellen Dank an Barbara und Reinhard für Organisation  und Leitung.

Red.:
Wir danken für das Gespräch.

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