Stellungnahme Sandabbau

Die DAV Sektion Altdorf hat die folgende Stellungnahme zum geplanten Sandabbau "Vogelherd" an die Regierung von Mittelfranken als zuständige Behörde für das Raumordnungsverfahren geschickt:


Betreff: Raumordnungsverfahren für Quarzsandabbau in der Nähe von Altdorf bei Nürnberg

Sehr geehrte Damen und Herren der Regierung von Mittelfranken,

bitte leiten Sie die folgende Stellungnahme an die zuständigen Bearbeitenden weiter:

Der Deutsche Alpenverein ist seit 1984 als Naturschutzverband in Bayern anerkannt, seit 2005 auch auf Bundesebene. Auch in der Satzung der Sektion Altdorf bei Nürnberg des Deutschen Alpenvereins e.V. ist der Naturschutz als eines der zentralen Vereinsziele verankert. Aus diesem Grund nehmen wir Stellung zum geplanten Sandabbau:

Die Sektion Altdorf des Deutschen Alpenvereins e.V. lehnt den Sandabbau auf über 50 Hektar Fläche im Bereich „Vogelherd“ aus den nachstehenden Gründen ab:

  1. Naturraum und Landschaft

Auf den mächtigen Sandschichten im Bereich Vogelherd leben Spezialisten des Tier- und Pflanzenreiches, die nur in solchen Lebensräumen leben und gedeihen können. Insbesondere die  Insektenvielfalt und -menge muss in diesem Lebensraum erhalten bleiben. Auf abgebaggerten Flächen ändern sich Nährstoffgehalt und Wasserverhältnisse. Die bestehende Artenvielfalt wird gefährdet und erheblich dezimiert. Auch wenn der geplante Sandabbau „stückweise“ passieren soll, würde es dennoch zu einer erheblichen und langwierigen Veränderung des Landschaftsbildes kommen. Flechten-Kiefernwälder benötigen nährstoffarmen Boden, der nicht mittelfristig durch Renaturierung wieder hergestellt werden kann. Sie sind von größter Bedeutung für den Erhalt der dort heimischen und seltenen Vegetation.

  1. Wirkung auf das Grundwasser

Beim Sandabbau ist ein starkes Absinken des Grundwasserspiegels die Regel. Es ist zu befürchten, dass auch dem nahegelegenen Röthenbach sowie dem ebenfalls sehr nahe liegenden Trinkwasserversorgungsgebiet für Nürnberg das Wasser abgegraben wird. Der Röthenbach wird ausschließlich durch Grundwasser gespeist, somit droht ein komplettes Austrocknen des Baches mindestens in den trockenen Sommermonaten und damit das Ende von allen Lebewesen im Röthenbach, die im oder abhängig vom Wasser leben.

Durch das Verfüllen mit teilweise belastetem Bauschutt Z1.2 in den Trockenabbaugebieten ist das Risiko eines Eintrags von Schadstoffen in das Grundwasser in den Nassabbaubereichen A und C und den angrenzenden Gebieten sehr hoch. Das kann auch die Trinkwasserversorgung und -qualität gefährden.

 

  1. Beachtung von Naturdenkmal und Landschaftsschutzgebiet

Die Röthenbachklamm als ausgewiesenes Naturdenkmal muss in ihrem jetzigen Zustand erhalten bleiben. Der tiefe Eingriff, nur wenige Meter von der Klamm entfernt, wird aber zwangsläufig den Wasserhaushalt des Röthenbachs verändern oder sogar ganz zum Versiegen bringen. Das wäre das Ende des auf der roten Liste stehenden Steinkrebses in der Klamm. Des Weiteren würde die Röthenbachklamm durch Eintrag von Staub und Lärm deutlich beeinflusst werden. So droht dieses einzigartige Naturdenkmal und sehr beliebte Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Wanderer, Jogger, Radfahrer usw. verloren zu gehen!

Der Wald im geplanten Sandabbaugebiet steht unter Bannwaldschutz, Vogelschutz, Biotopschutz und ist als ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet zu schützen. Im Wald befinden sich über 100 Jahre alte Bäume, die dem Sandabbau wohl zum Opfer fallen würden, das Nachwachsen würde mehrere Generationen dauern. Der bestehende Wald mit seinen seltenen Flechten- und Weißmoos-Kiefern muss deshalb geschützt und erhalten bleiben.

  1. Gesamtbelastung der Altdorfer Bevölkerung und der Umgebung

Argumentationen gemäß dem „Sankt-Florians-Prinzip“ lehnen wir ab. Aber: Röthenbach bei Altdorf und Ludersheim sind besonders betroffen von Stromleitungen, Umspannwerk und den Neuplanungen rund um die P53. Die Autobahnen A3 und A6 incl. Autobahnkreuz engen Altdorf, insbesondere Röthenbach und Ludersheim zusätzlich ein und durchziehen den entsprechenden Naherholungsraum. Ein Sandabbaugebiet würde hier noch zusätzliche Einschränkungen hinsichtlich der Lebensqualität mit sich bringen. Der Autobahnlärm der A 6 wird bisher durch den Wald abgeschirmt. Anstatt „Lärmschutzwald“ arbeiten dort dann Bagger und es herrscht reger LKW-Verkehr, was zu einer erheblichen zusätzlichen Lärmbelastung für die Bevölkerung führen wird.

gezeichnet: Hermann Frank, Naturschutzreferent und Dr. Volker Güther, Vorsitzender