Bergwanderwoche im Verwall

Bergwanderwoche im Verwall (09.08. - 13.08.2020)

Die diesjährige Bergwanderwoche fand unter besonderen Voraussetzungen statt. Die Organisatoren Hubert Seel und Peter Chunsek übernahmen unter den geltenden Bestimmungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine besonders hohe Verantwortung und wurden dieser Verantwortung – so viel sei hier vorab gesagt – auch jederzeit gerecht. Als Konsequenz wurde die Bergwanderwoche von ursprünglich 7 Tagen auf 5 Tage verkürzt, da die letzte der geplanten drei Hütten kein überzeugendes Hygienekonzept vorweisen konnte.

Die paritätisch aus sieben Frauen und sieben Männer bestehende Gruppe traf sich am Sonntag frühzeitig am Altdorfer Bahnhof, um optimal aufgeteilt auf 4 PKW zum Ausgangspunkt der Tour, den Stausee Kops oberhalb von Galtür im Paznauntal zu fahren. Die Wetterprognose für die kommenden Tage war sehr gut. Bei strahlendem Sonnenstein wurde der kurze Aufstieg zur reichlich 500 m höher gelegenen Heilbronner Hütte in etwas mehr als 2 Stunden zurückgelegt.

Nach einer Stärkung und der gruppengerechten Aufteilung in die Quartiere unternahmen einige, denen der Aufstieg noch nicht gereicht hatte, einen Abstecher zum Valtschavielsee, dessen angenehm temperiertes Wasser auf über 2300 m Meereshöhe sogar zum Baden einlud.

Am darauffolgenden Montag stand der Gipfel des hoch über Galtür gelegenen Grieskogl auf dem Plan. Insgesamt etwa 700 Höhenmeter im Auf- und Abstieg waren auf unschwierigen Wegen und mit leichtem Gepäck zu bewältigen. Von der auf 2690 m gelegenen Grieskoglscharte ging es mit etwas Kletterei zum Gipfel. Ein herrlicher Ausblick hinüber in die Bergwelt der immer noch teilweise vergletscherten Sivretta war ein gerechter Lohn für die doch etwas anstrengenden Mühen insbesondere der letzten 15 min.

Am Dienstag stand der Hüttenwechsel von der Heilbronner auf die Konstanzer Hütte auf dem Programm. Die Gruppe entschloss sich, anstelle des direkten und leichten Weges über das Schönverwall-Tal den anspruchsvollen hochalpinen Bruckmannweg zu gehen, der mit einer reinen Gehzeit von 6 bis 7 Stunden angegeben war. Die richtige Entscheidung. Der landschaftlich außerordentlich schöne Weg verlangte auch der Trittsicherheit und Kondition der Bergwanderer einiges ab.

Eine ausgiebige Rast am 2505 m hoch gelegenen Wannensee nach 300 m im Abstieg und 700 m im Aufstieg und einer halben Wegstunde vor dem höchsten Punkt der Tour, dem Wannajöchli gelegen, sollte die erforderliche Erholung für die dann folgenden 1000 m im Abstieg verschaffen. Der Abstieg erwies sich zunächst als mehrfacher Auf- und Abstieg, bevor es dann endlich in sehr steilem Blockgelände tatsächlich in das Fasultal hinunter ging. Alle waren froh, letztendlich die Erfrischungen auf der Konstanzer Hütte nach einer wunderschönen, aber durchaus strapaziösen Tour genießen zu können. Ein kurzer und zum Glück überhaupt nicht heftiger Regenguss 15 min vor der Hütte wurde eher als angenehme Abkühlung von den heißen Tagestemperaturen empfunden.

Erneut bei herrlichem Wetter wurde am Mittwoch der noch nicht lange bestehende Drosberg Panorama-Rundwanderweg begangen. Der Name ist dabei Programm. Fast stets herrliche Blicke auf die raue und ursprünglich wirkende Bergwelt des Verwall. Mit einer abwechslungsreichen Wanderstrecke aus Wegen entlang eines Bachlaufs, verblockten Steigen, weichen Hochalmpfaden und durchaus heiklen Steilhangquerungen bietet der Rundwanderweg mit Ausnahme von Gletschern nahezu alles auf, was das Hochgebirge zu bieten hat.

Nach einer zweiten Nacht auf der Konstanzer Hütte ging es am frühen Morgen des Donnerstag über das Schönverwall und die Heilbronner Hütte in etwa 5 Stunden zurück zu den geparkten Autos.

Ein Wort zu den beiden Hütten und deren Umgang mit der Corona-Pandemie sei an dieser Stelle nicht nur gestattet, sondern ist sogar verpflichtend: Beide Hütten überzeugten mit ihrem Hygiene-Konzept. Die einzelnen Gruppen bekamen Quartiere ohne zusätzliche Belegungen von anderen Gruppen bzw. Wanderern zugewiesen. Die Tische in den Gasträumen waren unter Beachtung der Abstandsregelungen gestellt. Unsere Gruppe hatte stets einen Tisch nur für sich. Sowohl in den Gasträumen als auch in den sanitären Einrichtungen herrschte vorbildliche Sauberkeit. Desinfektionsmittelspender waren ausreichend vorhanden. In den Schlafräumen wurden keine Decken zur Verfügung gestellt. Der eigene Schlafsack war Pflichtausrüstung. All das vermittelte allen Bergwanderern ein sehr gutes Gefühl, keinem besonderen Risiko bezüglich einer Corona-Infektion ausgesetzt gewesen zu sein. Ein herzliches Dankeschön an die Hüttenwirte dafür, dass sie sehr deutlich die Sicherheitsaspekte vor die möglichen Umsätze mit prall gefüllten Hütten gestellt haben. Das ist durchaus nicht selbstverständlich. Nicht zuletzt ein herzliches Dankeschön an Hubert und Peter für die perfekte Organisation. Jedem der Teilnehmer war die Begeisterung über eine gelungene Bergwanderwoche anzusehen.

Text und Bilder Nr. 2-4: Volker Güther; Bild 1: Hubert Seel