Tour in den Bayerischen Wald

Borkenkäfer und Klimawandel:
Tour durch den Bayerischen Wald gibt Einblicke in den Lebenszyklus der Bäume

Er wurde erst kontrovers diskutiert, 50 Jahre später gilt er als Erfolgsmodell: Der Nationalpark Bayerischer Wald. Das Schutzgebiet zeigt, wie sich die Natur verändert, wenn der Mensch nicht eingreift und lockt mehr Gäste denn je in Bayerns Osten. Eine Gruppe des DAV Altdorf hat bei Touren auf drei über tausend Meter hohe Gipfel den Wald genauer unter die Lupe genommen. DAV-Mitglied und Waldbesitzer Werner Kern informierte bei der dreitägigen Fahrt im September kenntnisreich über die Geschichte des Nationalparks und Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels.

Erstes Ziel war der Große Falkenstein (1.315 m). Von der Ortschaft Zwieslerwaldhaus wählten die Altdorfer den anspruchsvollsten aber wohl schönsten Aufstieg durch ein Waldgebiet, das zu den bedeutendsten und ältesten Urwaldresten in Mitteleuropa zählt. Weiter aufwärts ging es durch das Felsengebiet Höllbachgspreng. Steil und über Felsstufen führt ein teilweise ausgesetzter Steig bis zum neu erbauten Falkenstein Schutzhaus. Von der Terrasse und dem Gastraum der Hütte eröffnet sich ein malerischer Ausblick auf den Talkessel des Zwieseler Winkels. Einige Meter weiter, vom Gipfelplateu aus, kann man nach Westen und Südwesten zum Großen Arber und zur Bergkette des vorderen Bayerischen Waldes blicken. Und an klaren Tagen sind im Süden die Alpen sichtbar. Ähnlich lohnend ist der Blick vom Kleinen Falkenstein (1.190 m), über den die Altdorfer zurück zum Ausgangspunkt wanderten.

Noch besser, da im Gipfelbereich völlig unbewaldet, ist der Ausblick vom Lusen (1.373 m). Von der Ortschaft Waldhäuser stieg die zehnköpfige Wandergruppe über die „Himmelsleiter“ auf den Berg mit seinem charakteristischen Gipfelaufbau aus Granitblöcken. Von diesem Aussichtspunkt waren Schäden, die Trockenheit und Borkenkäfer in den vergangenen Jahren angerichtet haben, deutlich zu sehen. In den weitläufigen Waldgebieten stehen unzählige abgestorbene Fichten.

Bis junger Wald die Lücken füllt, dauert es Jahrzehnte. Auf dem Weg zum Großen Rachel (1.453 m), dem Ziel am dritten Tourentag, sahen die Altdorfer erste Erfolge: Zwischen den Ende des 20. Jahrhunderts abgestorbenen Baumskeletten wachsen Ebereschen und junge Fichten – ohne menschliches Zutun. Die Wandergruppe wählte einen langen, aber landschaftlich sehr reizvollen Aufstieg von Oberfrauenau über den Kleinen Rachel und die Rachelwiese zum höchsten Gipfel im Nationalpark. Der Abstieg führte dann steil hinab zum idyllischen Rachelsee und zur Bushaltestelle Gfäll. Von dort fahren die kostenlosen "Igelbusse" zurück in die Zivilisation.