Absamer Klettersteig in Zeiten von Corona

Absamer Klettersteig in Zeiten von Corona (19.06.20 - 21.06.20)

Als der Gedanke geboren wurde eine Klettersteigtour zur Bettelwurfhütte für den Alpenverein anzubieten, konnte sich noch niemand vorstellen welche ungeahnten Schwierigkeiten auf uns zukommen würden.

Zuversichtlich reservierte ich schon im November 2019 Schlafplätze für acht Personen (zwei Viererlager) auf der Bettelwurfhütte im Karwendelgebirge. Der Plan war an einem Freitag anzureisen und eine Nacht in Hall in Tirol zu verbringen um am nächsten Tag früh in den Absamer Klettersteig einsteigen zu können.

Doch dann kam das Virus….

Lange Ungewissheit über Grenzöffnungen – Quarantäne – Hygienevorschriften usw… - unendlicher Mailverkehr mit der Hüttenwirtin. Nach einigen Änderungen wie die Schlafplätze  im Matratzenlager und die Anzahl der Teilnehmer von acht auf sechs, gab es dann doch noch grünes Licht. Dann langes Bangen um die Wettersituation – letztendlich entschieden wir uns doch zum Reiseantritt.

Abfahrt am Freitag um 14.00 Uhr an der Kletterhalle mit  zwei PKW. Nach staufreier Fahrt bezogen wir unsere gebuchten Zimmer in Hall i.T. um uns dann auch gleich zu einem Stadtbummel durch das Zentrum der wunderschönen Altstadt auf zu machen; im Augustiner Keller  bekamen wir dann pünktlich, an unserem vorab reservierten Tisch, ein köstliches Abendessen.

Am nächsten Morgen Aufbruch zum Parkplatz am Eingang der Halltäler um von dort aus zu Fuß weiter zum Einstieg des Absamer Klettersteiges , den wir nach ca. 1 Stunde (und einem kurzem Verhauer ;-)), erreichten. Da die Gruppe größtenteils aus geübten Kletterer`innen bestand, konnten wir nach kurzem Ausrüstungs- und Partnercheck auch gleich in den Klettersteig einsteigen. Das Wetter war – sagen wir mal – zumindest noch trocken, obgleich der Nebel nicht weit Blicken lies. Der Steig in kommoder Schwierigkeit (Kat. C) sollte aber vor Allem wegen seiner Länge nicht unterschätzt werden. Die Seilbrücke (welche auch umgangen werden kann) sorgte noch für zusätzlichen Nervenkitzel. Natürlich fing es mittlerweile mäßig an zu regnen, so dass die Regenkleidung doch noch ausgepackt werden musste. Beeindruckende Passagen wie der „Klemmblock“ ließen leider nur erahnen wie grandios die Aussicht dort bei gutem Wetter sein muss. Am Ausstieg des Klettersteiges, den wir nach ca. 4 Stunden (manche schneller ;-)) erreichten waren noch weitere 300 Höhenmeter auf steilem Pfad bis zur Hütte zu bewältigen.

Dort angekommen stellten wir fest, dass es wohl keine Maskenpflicht mehr gab, die Tische waren aber auf Abstand gestellt. Leider war Wettertechnisch eine Überschreitung vom kleinen zum großen Bettelwurfgipfel nicht möglich und so wurde es „nur“ ein gemütlicher Hüttennachmittag. Da es die Nacht zur Sommersonnenwende war machte sich als es dunkel war von der Hütte aus eine Gruppe Einheimischer auf um Bergfeuer zu entzünden, welche – so vermuteten wir – aufgrund der schlechten Sicht wohl vom Tal aus kaum zu sehen waren. Danach bezogen wir unsere Plätze im Matratzenlager welches mit Trennwänden zwischen den Betten ausgestattet worden war, um die Hygienevorschriften zu erfüllen.

Am nächsten Morgen brachen wir auf um über das Lafatscher Joch zum ehemaligen Kloster St. Magdalena abzusteigen und nach kurzer Einkehr die Heimreise anzutreten.

Trotz des schlechten Wetters und der Coronaumstände war es ein gelungener Bergauftakt und wie alle Beteiligten bestätigten, die richtige Entscheidung doch zu fahren.

Text und Bilder: Daniel Scharrer